In Silbermöweneiern gibt es jetzt auch Plastikbestandteile

Silbermöweneier enthalten Phthalate: Chemikalien, die Plastik zugesetzt werden, um es flexibler zu machen.

Britische Forscher schreiben das in Bulletin zur Meeresverschmutzung. Es bleibt unklar, ob Phthalate das Wachstum und die Entwicklung von schlüpfenden Vögeln beeinflussen.

Suche
Die Forscher reisten für ihre Studie nach Cornwall und sammelten 13 Silbermöweneier. Phthalate kommen in allen Eiern vor. Phthalate müssen aus dem mütterlichen Körper der Silbermöwen stammen. Vögel geben die Chemikalien über die Eier an ihre Babys weiter.

Es ist nicht möglich, anhand dieser Forschung zu bestimmen, wie Mütter Phthalate erhalten, aber Wissenschaftler haben Ideen dazu. So wurde beispielsweise bereits gezeigt, dass häufig von Silbermöwen gefressene Organismen Phthalate beherbergen. Wenn Heringsmöwen ihre Beute fressen, nehmen sie auch Phthalate auf. Es ist auch bekannt, dass die Heringsmöwen selbst regelmäßig Plastik fressen. Und da Phthalate in fast allen Kunststoffen vorkommen und diese sehr leicht auslaugen, können die Chemikalien auf diese Weise auch bei Vögeln landen. Vögel scheiden Phthalate nicht leicht aus. Chemikalien reichern sich im Körper an, insbesondere im Fettgewebe.

Lebensmittel und Chemikalien
Und nun scheinen Phthalate auch den Weg von Altvögeln zu ihren Nachkommen zu finden. Forscher John Blount sagt, dass Silbermöwenmütter wichtige Nährstoffe über Eier an ihre Nachkommen weitergeben. Dazu gehören Lipide (Fette und Fettstoffe) und Vitamine. Sie transportieren aber neben Nährstoffen auch Phthalate. „Die Phthalate müssen aus dem Blutkreislauf – fast gleichzeitig mit den Fetten aus der Leber – in den Dotter gelangen und das geschieht in relativ kurzer Zeit, wenige Tage vor der Eiablage.“

Weitersuchen
Die Wirkung von Phthalaten auf Embryonen, die sich in der Eizelle entwickeln, ist noch unklar. „Bei anderen Spezies wurde bereits gezeigt, dass Phthalate das endokrine System stören (Hrsg.) und oxidativen Stress verursachen (der zu Zellschäden führen kann, Hrsg.), mit negativen Folgen für Wachstum und Entwicklung.“ Ob dies auch bei Heringsmöwen der Fall ist, bleibt mit weiteren Untersuchungen abzuwarten.

READ  Gene für Kreativität berichteten Homo sapiens über Neandertaler Wissenschaft

Andere Arten und Stoffe
Silbermöwen sind übrigens nicht die einzigen Seevögel, die ihre Jungen – noch vor dem Schlüpfen – mit den Folgen unserer Plastikverschmutzung stechen. “Pthalate wurden auch in Eiern anderer Seevögel gefunden”, sagte Blount. Zudem ist nicht auszuschließen, dass Eier neben Phthalaten auch andere Plastikchemikalien enthalten.

Blount hofft, dass die Studie die Menschen aufrütteln wird. Ich denke, diese Daten sollten uns zum Nachdenken über die komplexen Auswirkungen des menschlichen Verhaltens auf die Tierwelt anregen. Plastikverschmutzung ist weltweit ein wachsendes Problem, aber bisher wurde die Aufmerksamkeit oft auf ihre sichtbaren Auswirkungen, wie die Verstrickung von Tieren in Plastik, gerichtet, viel weniger Aufmerksamkeit wurde den Chemikalien in Plastik geschenkt. “Ich denke, wir sehen nur die Spitze des Eisbergs, wenn es um die unsichtbare Wirkung von Phthalaten und anderen Kunststoffbestandteilen geht.”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.